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Erst- und Wiederholungsprüfungen an elektrischen Anlagen

Jede Elektrofachkraft hat aufgrund der Normensituation die Pflicht, ihre errichtete elektrische Anlage vor der Inbetriebnahme zu prüfen. Die Anforderungen an die Prüfung der elektrischen Anlage sind in der VDE 0100 Teil 600 und VDE 0100 Teil 105 geregelt. Hier werden – neben weiteren Überprüfungen – die Messung von Isolationswiderstand und Schleifenimpedanz, die Prüfung der Durchgängigkeit der Leiter, die Drehfeldmessung und die Prüfung des FI -Schutzschalters (RCD) gefordert.

Messung des Isolationswiderstandes Riso

Die Isolationsmessung erfolgt im spannungsfreien Zustand. Diese Messung ist wichtig, um festzustellen, ob die Isolation der einzelnen Adern ausreichend hochohmig ist, so dass die elektrische Anlage betrieben werden darf. Vorgeschrieben ist ein Isolationswiderstand von mindestens 1,0 MW. In der Regel ist der Isolationswert bei neu errichteten Anlagen jedoch unendlich groß. Die Isolationsmessung erfolgt zwischen den einzelnen Adern der Leitung. Durch die Messung wird sichergestellt, dass keine Leitung einen Isolationsfehler hat.

Messung der Schleifenimpedanz Zschl

Diese Messung wird unter Spannung durchgeführt. Hier wird unterschieden zwischen der Schleifenimpedanz Zschl und der Netzinnenimpedanz Zi. Mit dem Ergebnis dieser Messung kann beurteilt werden, ob die Summe der Widerstände, die einen Kurzschlussstrom begrenzen, ausreichend klein ist, dass der mögliche Kurzschlussstrom die Sicherung zum Auslösen bringt. Ein zu geringer Querschnitt der Leitung oder einer zu langen Leitungslänge kann dazu führen, dass die Sicherung nicht in der vorgeschriebenen Zeit auslöst. Bei einem Stromkreis, der mit einem Leitungsschutzschalter B16 A abgesichert ist, gilt zum Beispiel folgender Wert für die Schleifenimpedanz:

Ia = 5 x IN = 5 x 16A = 80A (Abschaltstrom der Sicherung)

Zs <= 230 V / 80A = 2,875 W (Schleifenimpedanz)

Niederohmmessung

Mit dieser Prüfung wird festgestellt, ob Schutzleiter und Potentialausgleichsleiter durchgehend leitend verbunden sind und der Eigenwiderstand der Leiter ausreicht, um das entstehen einer zu hohen Berührungsspannung zu verhindern. Die Niederohmigkeit soll garantieren, dass im Fehlerfall der Potentialausgleich und der Schutzleiter den Fehlerstrom tragen können. Alle leitungsgebundenen Systeme (Gas, Wasser, Heizungsvor- und Rücklauf, Telefonanlage und Antennenanlage etc.) müssen an der Potentialausgleichsschiene miteinander verbunden sein. An die Potentialausgleichsschiene wird auch der Fundamenterder und das metallene Abgasrohr der Heizung mit angeschlossen.

Drehfeldmessung

Nach der Installation muss in der elektrischen Anlage das Drehfeld geprüft werden. Das Drehfeld bestimmt die Drehrichtung eines Drehstrommotors. Es soll immer ein rechtes Drehfeld, mit der richtigen Reihenfolge der Außenleiter L1, L2 und L3 installiert werden.

Prüfung des FI-Schutzschalters (RCD)

FI-Schutzschalter müssen u. a. in allen Stromkreisen mit Steckdosen sowie im Badezimmer und in Außenanlagen installiert werden. Diese Geräte überwachen den Fehlerstrom der in einem Stromkreis entsteht. Sollte ein Teil des Stromes über den Schutzleiter abgeleitet werden (Ableitstrom) muss der FI-Schutzschalter in einer vorgeschriebenen Auslösezeit abschalten. Die maximale Auslösezeit beträgt 0,2 Sekunden. Die FI-Schutzschalter sind in vorgeschriebenen Intervallen auch mechanisch zu prüfen.

Messprotokoll

Das Messprotokoll ist für den Betreiber der elektrischen Anlage und den ausführenden Elektro-Installateur der Nachweis, mit dem belegt wird, dass die Messergebnisse den VDE-Vorschriften entsprechen und dass alle Stromkreise im Rahmen der Anlagenprüfung geprüft wurden. Das Messprotokoll wird sorgfältig ausgefüllt dem Betreiber der Anlage übergeben.

Die ELKOnet-Bildungsstätten bieten im Themenfeld Prüfung von elektrischen Anlagen und Geräten eine große Auswahl verschiedener Weiterbildungen an. Fachkräften wird im Rahmen des ELKOnet-Experten für Elektrische Energietechnik zudem die Möglichkeit geboten, die Qualifikation "Spezialist (ELKOnet) für das Prüfen elektrischer Anlagen" zu erlangen, welche den Prüfer gegenüber anderen Fachkräften auszeichnet.