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Deutschland braucht moderne Informationstechniker – dringend!

Bundestechnologienzentrum warnt: Ohne Fachkräfte wird es nichts mit dem verheißungsvollen „Internet of Everything“

Smart Grid, Gebäudeautomation, „Internet of Everything“: Die Schlagwörter sind wohlbekannt und verheißen neue Möglichkeiten, mehr Komfort, höhere Energieeffizienz, ja sogar das Gelingen der Energiewende. Doch nun warnen die Experten des Bundestechnologiezentrums für Elektro- und Informations-technik Oldenburg (BFE) eindringlich, dass die Pläne scheitern könnten. „Es herrscht ein eklatanter Mangel an Fachkräften, die die anstehenden Herausfor-derungen meistern können – das Land braucht für die Vernetzung der Systeme sehr schnell sehr viele Informationstechniker moderner Prägung“, sagt BFE-Direktor Thorsten Janßen.

 

Fernseher reparieren war früher

Das BFE bietet als eine von wenigen Bildungsinstitutionen in Deutschland eine neukonzipierte Ausbildung zum IT-Meister an. Sie ist durchdrungen vom Ge-danken der informationstechnischen Vernetzung von IT-Systemen mit Mensch und Maschine. „Die Absolventen der Lehrgänge werden händeringend gesucht, können sich als Meister selbstständig machen, sind mit ihrem Know-how auch morgen und übermorgen noch sehr gefragt“, verdeutlicht BFE-Kursleiter Dieter Ommen den Wert der Qualifikation.

Daher sei es zutiefst verwunderlich, dass sie deutschlandweit immer noch nicht den gebührenden Zuspruch findet. Ein Grund könnte laut Detlef Petermann (BFE-Bereichsleiter Lehrgänge) darin bestehen, dass diese Ausbildung sich aus dem Bereich der Radio- und Fernsehtechnik entwickelt hat. Eine Historie, die wohl noch in vielen Hinterköpfen sei. „Erst kürzlich sagte ein junger Mann, dass er den IT-Meister nicht anstrebe, weil er weder Antennen aufs Dach schrauben noch Fernseher reparieren wolle“, berichtet Petermann. „Dabei sind das wahrlich nicht mehr die Anforderungen an einen modernen Informationstechniker.“

 

Multimedia, Smart Grid und IT-Sicherheit

So spielt etwa das TV-Gerät im Arbeitsleben eines IT-Meisters eine gänzlich andere Rolle als früher. „Der Fernseher entwickelt sich heute, als Smart-TV, zunehmend zu einer internetfähigen Informationszentrale. Er bildet künftig als Multimediasystem für Sprache, Video und Daten die Kommunikationszentrale des Gebäudes“, erläutert Dieter Ommen. Die Kunden bei dieser Komplettvernetzung, die auch Aspekte wie VoIP oder Video-Streaming umfasst, zu beglei-ten, sei eine erste Aufgabe für den Informationstechniker moderner Prägung. Ein weiterer Schwerpunkt: das Smart Grid, das über Jahre ein elementarer Be-standteil der Arbeit in der E-Branche sein wird. „Die Komponenten wie die intel-ligenten Zähler kann der Energie- und Gebäudetechniker sicher verbauen“, so Ommen. Doch richtig spannend werde es erst danach, wenn die Systeme untereinander und mit Rechenzentren vernetzt werden müssen. „Das kann der klassische E-Meister nicht, dafür brauchen wir die IT-Meister – deren Fähigkeiten somit darüber entscheiden, ob das Smart Grid wirklich smart wird.“ Darüber hinaus sind Gebäudeautomation und IT-Sicherheit zentrale Wissens- und Einsatzgebiete für IT-Meister – beides absolute Zukunftsthemen. Dieter Ommen weiß von großen Hotels und Krankenhäusern, die ihren Betrieb mit IP-vernetzten Geräten ausstatten möchten, um noch effizienter arbeiten zu kön-nen. „Doch Fachbetriebe für die nötige Vernetzung der Systeme bei gleichblei-bend hoher Datensicherheit sind rar.“ Daher bekomme das BFE mittlerweile bereits Anfragen, wann der nächste IT-Meister-Lehrgang beendet ist, um direkt auf die frischgebackenen Absolventen zuzugehen.

 

IT-Kosmos rund um die Energie

„Der IT-Meister ist so wichtig, weil er für den gesamten informationstechnischen Kosmos zuständig ist, der rund um die Energie gewachsen ist und noch weiter anwachsen wird“, fasst BFE-Direktor Janßen zusammen. „Dass es Experten gibt, die sich in diesem Kosmos auskennen, ist für Privathaushalte, kleine Betriebe, große Konzerne und letztlich das ganze Land von immenser Bedeutung.“ Janßens Appell an weiterbildungswillige Akteure der Branche lautet daher: „Befassen Sie sich intensiv mit den Inhalten und Möglichkeiten des IT-Meisters – und entscheiden Sie sich für den vielleicht aussichtsreichsten Schwerpunkt, den die E-Branche aktuell zu bieten hat.“

Der nächste IT-Meisterlehrgang im BFE startet am 4. Dezember (Vollzeit). Inhalte sowie unkomplizierte Online-Anmeldungen unter www.bfe-meister.de/information, Fragen beantwortet Claudia Nichau, Tel. 0441 34092-131.